Rotaviren

« zurück zur Übersicht

Rotaviren sind der häufigste Grund für Durchfall und Erbrechen bei Kindern. Auch die Verbreitung von Rotaviren in Senioreneinrichtungen können schwerwiegende Folgen haben. Daher ist in Deutschland nun seit 2013 die Impfung gegen Rotaviren zugelassen.

Was kennzeichnet die Erreger?

Rotaviren sind weltweit verbreitet und sehr ansteckend. Es gibt 7 unterschiedliche Typen (Serogruppen A-G). Rotaviren der Gruppe A kommen weltweit die größte Bedeutung zu. Die Infektion eines Menschen führt zu Übelkeit und Brechdurchfall, der wiederum zu starkem Flüssigkeitsverlust führen kann.

Wie werden die Erreger übertragen?

Rotaviren bleiben auch auf unbelebten Oberflächen lange ansteckend. Sie werden über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und vermehren sich dort. Die Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Dies kann auch noch eine Woche nach Ende der Krankheitszeichen andauern.

Die Viren werden durch kleinste Stuhl-Reste an den Händen weitergegeben und können von der Hand in den Mund gelangen („Schmier-Infektion“). Zudem ist auch eine Ansteckung über Gegenstände wie Spielsachen oder Türgriffe sowie über Lebensmittel und Trinkwasser möglich. Auch durch gründliches Händewaschen und Desinfizieren kann eine Ansteckung mit Rotaviren nicht vollständig vermieden werden, so dass bei einem Ausbruch der Erkrankung schnell das gesamte Umfeld infiziert ist.

Wie häufig ist die Infektion?

Bis zum Alter von 3 Jahren haben 90% aller Kinder eine Infektion mit Rotaviren durchgemacht. Aufgrund der noch nicht ausgebildeten Immunabwehr der Kleinkinder kommt es häufiger zu schweren Verläufen und damit zu Krankenhausaufenthalten. Durch den Flüssigkeitsverlust kann die schwere Erkrankung lebensbedrohlich werden. Man schätzt, dass in den Dritte-Welt-Ländern jährlich 100 Millionen Kinder erkranken und etwa 600.000 bis 1 Mio. Kinder an der Erkrankung versterben.

Wie verläuft die Infektion?

Die Erkrankung beginnt innerhalb von 1 bis 2 Tagen nach Infektion mit wässrigen Durchfällen und Erbrechen. Der Stuhl ist häufig schleimig. Fieber und Bauchschmerzen können auftreten. Die Rotavirusinfektion verläuft meist schwerer als Durchfallerkrankungen durch andere Erreger. Beschwerden dauern in der Regel 2 bis 6 Tage an. In etwa der Hälfte der Fälle treten gleichzeitig Beschwerden der Atemorgane auf. Je häufiger eine Infektion mit Rotaviren erfolgt ist, desto milder ist der Verlauf. Bei Senioren kann durch ein geschwächtes Immunsystem der Verlauf wieder gefährlicher werden, weshalb in Senioreneinrichtungen besondere Schutzmaßnahmen bei Ausbrüchen nötig sind.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?

Wie auch bei anderen Durchfall-Erkrankungen ist die Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten (Salzen) meist ausreichend. Um das „Ausschwemmen der Krankheitserreger“ möglichst schnell zu gewährleisten, sollten keine Durchfallmedikamente eingenommen werden. Wenn der Flüssigkeitsverlust zu einer zu starken Austrocknung führt, ist eine Flüssigkeitszufuhr über die Vene erforderlich (Infusion). Bei Kleinkindern ist dies in der Regel nur im Krankenhaus möglich. Auch bei Senioren ist das Risiko einer „Austrocknung“ groß und damit die Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes wieder wahrscheinlicher. Eine medikamentöse Therapie existiert nicht. Die Impfung ist daher die einzige Therapie und sollte aufgrund des hohen Risikos zu Beginn des Lebens schon im Säuglingsalter erfolgen.

Wie kann man der Infektion vorbeugen?

Die Rotavirus-Impfung ist eine Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff. Ab dem Alter von 6 Wochen werden je nach Impfstoff zwei (Rotarix®) bzw. drei Impfungen (RotaTeq®) in einem Mindestabstand von 4 Wochen verabreicht. Die Impfung sollte spätestens bis zum Alter von 12 Wochen begonnen worden sein. Bis zum Alter von 16 Wochen (Rotarix®) bzw. von 22 Wochen (RotaTeq®) sollte die Immunisierung abgeschlossen werden.

Der Impfstoff steht seit 2006 zur Verfügung und ist damit gut erforscht. Er enthält lebende, aber abgeschwächte Rotaviren, die die Erkrankung nicht auslösen können. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass die Impfung wirksam schwere Krankheitsverläufe und notwendige Krankenhausbehandlungen verhindern kann.

Gibt es Impfrisiken?

Das Auftreten einer Invagination (Einstülpung eines Darmabschnittes) in den ersten 7 Tagen nach Verabreichung der ersten Impfstoffdosis ist ein mögliches und gefährliches Risiko der Impfung. Nach aktuellem Kenntnisstand können etwa 1 bis 2 zusätzliche Invaginationen pro 100.000 geimpfter Kinder auftreten. Da das natürliche Risiko für Invaginationen bei Säuglingen mit steigendem Alter zunimmt, ist der späteste Zeitpunkt für den Abschluss der Impfserie ein Alter von 24 Wochen für Rotarix® bzw. von 32 Wochen für RotaTeq®.

Bei Kindern mit angeborenen Fehlbildungen im Magen-Darm-Trakt oder eine bereits durchgemachte Invagination besteht ein erhöhtes Risiko, so dass -ebenso wie bei Überempfindlichkeit gegen die Impfung oder einzelner Impfbestandteile- die Impfung nicht durchgeführt werden sollte. Bei Infekten mit schwerem fieberhaftem Verlauf oder Durchfall und Erbrechen sollte die Impfung verschoben werden.

Allergische Reaktionen kommen selten vor, vermehrte lebensbedrohliche (anaphylaktische) Zustände sind nicht bekannt.

Gelegentlich (1-10/1000 Impfungen) kommt es zum Ausscheiden von Blut mit dem Stuhl (Hämatochezie) und Oberbauchschmerzen oder Blähungen. Auch Hautauschlag (Dermatitis) und vermehrte Reizbarkeit sind möglich.  

Häufig (1 bis 10/ 100 Impfungen) sind Durchfall, Fieber und Symptome eines Infekts der oberen Atemwege (Schnupfen, Ohrenschmerzen und andere Erkältungszeichen).  

Hinweise zu Rotaviren

  • Die Impfung gegen Rotaviren gehört zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen zu Beginn des Lebens.
  • Rotavirus-Erkrankungen können vor allem sehr kleine Kinder gefährden.
  • Da keine andere wirksame Therapie vorhanden und die Gefährdung der Kleinkinder groß ist, wird schon ab der 6. Woche Lebenswoche die Schluckimpfung durchgeführt.

Wichtige Adressen:

Robert-Koch-Institut, Nordufer 20, 13353 Berlin, Tel.: 030-187540, Internet: www.rki.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Ostmerheimer Str. 220, 51109 Köln, Tel.: 0221-89920, Internet: www.bzga.de

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Im Mediapark 8,  50670 Köln, Tel.: 0221-356850, Internet: www.gesundheitsinformation.de 

Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-Str. 51-59, 63225 Langen, Tel.: 06103-770, Internet: www.pei.de, Informationen zu Verdachtsfällen auf Impfkomplikationen sowie von Verdachtsfällen schwerwiegender Nebenwirkungen unter www.pei.de/db-verdachtsfaelle

powered by webEdition CMS